April 4, 2017

HALLO, FLURIN BISIG

Participants 2017

Where Do I Begin, Rundstahl, Holz, Tape, 260 x 130 x 130 cm, 2015

 

Der Künstler Flurin Bisig wurde 1982 in Samedan geboren. Nach einem ersten Studium an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern, studierte er zwischen 2003 und 2009 an der Universität der Künste Berlin bei Tony Cragg und Florian Slotawa. Seine Arbeiten präsentierte er in verschiedenen Solo- und Gruppenausstellungen, darunter im Kunstmuseum Luzern, dem Kunstverein Zürich, den Kunsthallen in  Luzern und São Paulo. Für 2017 plant er die Ausstellung “28” im CC Strombeek in Brüssel.

Im Interview spricht Bisig von einem Kunstverständnis, das den Umgang mit Erfahrungen und das Ablegen von Zeugnissen ermöglichen soll. Er verrät, welche Bedingungen und Personen ihn dabei fördern und erzählt vom komplexen Verhältnis zwischen der Kunst und dem Geld.

 

Archivfoto: Morada do Sol, Rio de Janeiro, 2014

 

Was fördert Kunst? 
Wir werden ins Leben geworfen, und fallen seither durchs Leben. Diesen Ausspruch, vor Jahren irgendwo gelesen, beschreibt für mich den Ausgangspunkt, einem Urknall gleich. Für mich ist Kunst ein Versuch, mit allen möglichen Erfahrungen umzugehen. Von den kleinsten, wie dem Überqueren einer Strasse auf dem Weg zum Atelier, über gerade anstehende politische Wahlen und ihre Propaganda, bis hin zum Aufeinandertreffen mit Menschen bei irgendeinem Job, den ich machen muss, um zu überleben. Und mit all dem, wenn nicht einen Umgang zu finden, so wenigstens eine Art Zeugnis davon abzulegen. Zur Arbeit am Formulieren dieser Erfahrungen braucht es dann ganz bestimmte Bedingungen, die in meinem Falle sind: ein eigener Raum, viel Zeit und eine gewisse Einsamkeit.

Wer fördert Dich? 
Meine zwei jüngeren Brüder, Freunde und andere Künstler. In Form eines Austauschs über alles Mögliche, vor allem die Hoffnung und die Herkunft.

Muss sich Kunst verkaufen können?
Ich glaube nicht, dass Kunst verkauft werden muss. Aber was ist heute sichtbar, das sich schlecht, oder gar nicht verkaufen lässt? Das Verhältnis von Kunst und Geld ist enorm komplex. Aufmerksamkeit und Geld gehen eben miteinander einher.