May 12, 2017

MICHA ZWEIFEL

Laureates 2017

Mec (2014), Schaumstoff, Plastikhocker, Nike Air Sneakers, 80x100x120cm, Kairos Time: The Talk, TENT, Rotterdam. Foto: Ghislain Amar

Micha Zweifel (*1987) ist in Basel aufgewachsen. Er hat an der Gerrit Rietveld Academie (Amsterdam 2010) und am Piet Zwart Institute (Rotterdam 2014) studiert. Er ist Mitgründer und Editor von Publication Studio Rotterdam (seit 2015). Zur Zeit arbeitet er an Gipsreliefs in einer Wohnung in Rotterdam. Im Alltag spricht er Englisch und Holländisch. Er kocht in einem Restaurant, dort macht er Vorspeisen und Desserts.

Am 12. Mai eröffnet die Gruppenausstellung Walgenbach, Isabelle, Faysal, Micha, Robin Hood and 100,000 past exhibitions im Rib, Rotterdam.

Im Interview kommentiert Zweifel das Spannungsverhältnis zwischen öffentlichem und privaten Kunstbesitz.

Twee Aapen (Nach Pieter Bruegel de Oude), 2015, Gips, Pigmente, 30x40x3cm, Arbeit in der Einzelausstellung Obituary, PEACH, Rotterdam. Foto: Ghislain Amar

Was fördert deine Kunst?
Zur Zeit beschäftige ich mich mit Orten, die ein gesellschaftliches Verhältnis paradigmatisch ausdrücken. Eine Alphütte in der Nähe des Fluss Nolla ist so ein Ort, ein Kunstraum im Sprawl von Los Angeles zum Beispiel oder das Bureau des Betriebsrat in Siegfried Krakauers Die Angestellten. Emotionale, ästhetische und politische Konditionen von Raum sind das Material meiner Arbeit. Ich suche produktive Parallelen zwischen sozialer Dynamik (wie zum Beispiel Zugehörigkeit, Antizipation oder Entfremdung) und dem materiellen Arbeitsprozess mit Skulptur und Installation. Jede Relation ist auch eine Frage der Form. Komposition ist eine künstlerische und gesellschaftliche Förderaktivität an der wir alle teilhaben, eine Art Bergbau.

Kann finanzielle Unterstützung Kreativität fördern?
Ja, finanzielle Unterstützung kann Kreativität fördern. Kunst ist unter anderem die engagierte Auseinandersetzung mit einer Aufgabe, die man sich selbst gestellt hat. Finanzielle Unterstützung kann die strukturellen Bedingungen herstellen, um genau das zu tun.

Dackel, 2016, Holz, Beize, 110x30x40cm, Arbeit in der Einzelausstellung meubels, Charlois, RIB, Rotterdam Foto: Micha Zweifel

Muss sich Kunst verkaufen können?
Nein.

Gehört Kunst in den Bereich des Privaten oder des Öffentlichen?
Immer mehr Güter, Räume und Dienstleistungen werden privatisiert und kommen so einer breiten Öffentlichkeit abhanden. Damit einhergehend findet eine Ökonomisierung statt, welche vor Kunst, Kunstausbildung und Förderung nicht Halt macht. Der Legitimationsdruck auf die Kunst steigt und Produktion sowie Rezeption werden davon reziprok stark beeinflusst. Materielles Eigentum ist eine Möglichkeit sich zur Kunst zu verhalten, ihren Status zu stabilisieren oder Wertschätzung auszudrücken. Kunst machen und rezipieren aber sind soziale Tätigkeiten. Sie sind Teil der kollektiven Praxen, Imagination und Formen des gesellschaftlichen Lebens. Kunst nimmt Teil, verändert und schafft spezifische Verhältnisse und damit neue Öffentlichkeiten. Kunst ist eine grüne Grenze. Hier wird geschmuggelt.