June 10, 2015

JESSICA POOCH

Participants 2015

Jessica Pooch

Jessica Pooch hat sich in ihrer bisherigen Arbeit oft mit gesellschaftlichen Barrieren beschäftigt. Immer waren diese Arbeiten, wie auch bei den SWISS ART AWARDS 2014, Prototypen für soziale Grenzsituationen, Modelle zwischen Durchlässigkeit und Sicherheitsdenken, zwischen Barrierefreiheit und Schwellenängsten, zwischen Niederschwelligkeit und sozialen Hürden. Sie grenzten – experimentell – aus, und schlossen ein. Die Künstlerin ist zur Zeit für ein Stipendium in Berlin. Wir haben uns mit ihr zum Interview getroffen.

Jessica, was beschäftigt dich derzeit in deiner künstlerischen Arbeit?

Beobachtungen von Verhaltensweisen, die wir anhand der Dingwelt ausführen, sind für mich häufig Inspirationsquelle und Teil des Prozesses in der Entwicklung einer Arbeit. Momentan ist mein Bezugspunkt der Öffentliche Raum und Objekte und Architekturen, die darin vorkommen. Sie leiten an, lenken und beeinflussen unser Verhalten. Meistens obliegt ihnen ein Konzept, oder eine Idee über menschliche Bedürfnisse. Gleichzeitig sind sie Träger von Ideologien und beinhalten Restriktionen. Diese Art „stummer Sprache“ interessiert mich. In der Entwicklung der Arbeit, die ich am Swiss Art Award zeige, habe ich mich mit Rückzugsräumen und Orten der Intimität innerhalb öffentlicher Räume auseinandergesetzt und bin bei WC-Kabinenanlagen gelandet.

Wirst Du diese Beschäftigung in einer Skulptur oder Installation verarbeiten, oder mit welchen Begriffen würdest Du Deine Arbeiten bezeichnen?

Ich denke, die Arbeit ist vor allem situativ. Ich entwickle eine räumliche Arbeit, die eine Einheit bildet und daher als Skulptur begriffen werden kann. Gleichzeitig ist sie begehbar, konstituiert sich also auch mit dem Betrachter und bekommt somit installative Züge. Ich denke, jeder wird die Arbeit unterschiedlich erleben und wie man sie dann schlussendlich bezeichnet, interessiert mich weniger.

Wie bist du bei der Entwicklung der Arbeit vorgegangen?

Die Arbeit ist in ihrer Planung von Normen im Bau von WC-Kabinenanlagen beeinflusst und knüpft an Konventionen ihrer Benuzung an. Die Kulturgeschichte von Toiletten und ihre Soziologie haben auch eine Rolle gespielt. Schutzmechanismen, Schamgefühle und die Beziehung zum eigenem Körper stehen da im engen Zusammenhang. Ich habe Orte besucht, recherchiert und häufig die Augen geschlossen, um sie mir räumlich vorzustellen. Der Titel fehlt noch.

Wie bist Du zum Thema der öffentlichen Räume gekommen?

Was mich vor allem am öffentlichem Raum interessiert ist, dass er Schnittstellen und potentielle Berührungspunkte zwischen Parallelwelten im Alltag beinhaltet. Was sind die Parameter und Massnahmen, die unser tägliches Mit- und Nebeneinander beeinflussen und regeln? Was sagt das über uns aus und warum brauchen wir das? Das zu reflektieren finde ich interessant.