June 10, 2015

CHRI FRAUTSCHI / LOKAL-INT

Participants 2015
Lokal-int, Biel

Installation von Katia Ritz & Florian Hauswirth, Biel

 

In zwei Monaten öffnen in Basel die Türen der SWISS ART AWARDS. Bis dahin stehen uns hier die Kandidatinnen und Kandidaten in Kurzporträts Frage und Antwort. Der Bieler Chri Frautschi, ausgewählter Teilnehmer in der Kategorie Vermittlung bei den diesjährigen Schweizer Kunstpreisen, erzählt uns über das Lokal-int, das er seit 2006 betreibt.

 

Wo setzt Du aktuell Prioritäten innerhalb deiner kuratorischen Praxis?

Grundsätzlich besteht meine Arbeit darin, einen sozialen Raum zu schaffen, welcher der Kunst und ihren Akteuren gewidmet ist. Ein Raum welcher als Experimentierfeld für die eingeladenen KünstlerInnen und gleichzeitig als Begegnungsort funktioniert. Ein Raum welcher den Austausch zwischen den KünstlerInnen und dem Publikum ermöglicht und fördert.  Ein Raum der im Wochentakt Happenings generiert. Das Ziel ist die Praxis, die Praxis ist das Ziel. Innerhalb dieses … sagen wir mal Dogmas … verfolgt Lokal-int keinerlei kuratorische Agenda. Im Gegenteil. Lokal-int ist bestrebt, keine kuratorische Agenda zu haben. Kuratorische Agenda bedeutet inhaltliche und formale geistige Vorgaben. Das ist das Gegenteil von dem was ich will. Lokal-int kreiert Freiraum, Platz für Zufälle, spontane Entscheidungen und Risiko, mit  der klaren Bereitschaft Scheitern als Bestandteil des künstlerischen Prozesses zu akzeptieren und zuzulassen.

Was bereitet dir schlaflose Nächte?

Hahaha!!! Diese Frage gefällt mir von den drei Fragen am besten! Ich muss gestehen ich habe ein reines Gewissen. Schlaflose Nächte habe ich lediglich dann, wenn ich irgendwo unterwegs bin und den Weg ins Bett erst in den Morgenstunden finde … Cheers!!

„Kuratieren ist die neue Kritik“ – eine Behauptung, die vor kurzem in die Debatte um die Relevanz und Signifikanz von Kuratieren und Kritik eindrang. Wie stehst Du zu dieser Aussage und wo positionierst du dich in diesem Kontext?

Das mag durchaus stimmen. Im Allgemeinen. Bei mir im Speziellen trifft das nicht zu. Zwischen mir und den eingeladenen KünstlerInnen besteht keine Hierarchie. Genauso dankbar wie sie sein mögen, von Lokal-int eingeladen worden zu sein, bin ich dankbar, dass sie Lokal-int als Ort ihrer temporären Aktivität ausgewählt haben. Die KünstlerInnen welche in Lokal-int ausstellen, wählen mich genauso aus wie ich sie. Es ist ein Geben und Nehmen. Es ist ein kooperatives Element.

Kritik interessiert mich nicht. Ein Austausch und Dialog – der durchaus kritisch sein kann – aber schon.

 

Aktuelle Infos zur Arbeit und Projekten von Chri Frautschi findet ihr hier.